Open Banking hat sich von einer regulatorischen Initiative zur Förderung von Wettbewerb und Transparenz zu einer etablierten Marktinfrastruktur entwickelt. Im Jahr 2026 ist Open Banking längst mehr als nur der Zugriff auf Kontodaten: Es bildet das technologische Fundament, um Zahlungsströme und das Cashflow-Management effizienter zu gestalten, smarte Finanzentscheidungen zu treffen und reibungslose digitale Erlebnisse zu fördern.
Der regulatorische Rahmen bildet das Fundament der Entwicklung von Open Banking. Zentrale Säulen sind dabei die Ausweitung auf Open Finance, die flächendeckende Implementierung von Instant Payments sowie die Standardisierung digitaler Identitäten durch eIDAS 2.0. Die technologischen Entwicklungen fördern zugleich eine neue Erwartungshaltung der Verbraucher: Zahlungen müssen sofort erfolgen, Rückerstattungen unmittelbar verfügbar sein und Online-Zahlungen reibungslos ablaufen.
Folglich stellt sich für viele Unternehmen, Fintechs und Finanzinstitute nicht mehr die Frage, ob Open Banking Mehrwert bietet, sondern wo und wie. Wir beleuchten sechs essenzielle Open-Banking-Trends für 2026, die zeigen, wie Open Banking bereits heute spürbare Effekte erzielt.
1. IPR setzt neue Maßstäbe für den Zahlungsverkehr
Mit der Instant Payments Regulation (IPR) schafft die EU einen verbindlichen Rahmen, um Zahlungen schneller, transparenter und zuverlässiger zu gestalten. Ein entscheidender Zeitpunkt in der Umsetzungsphase ist der April 2026: Die beginnende Berichtspflicht für Zahlungsdienstleister (PSPs) wird Aufschluss darüber geben, wie effektiv die Regulierung den Markt bereits transformiert hat.
Schon heute zeichnet sich für Unternehmen ein klarer Trend ab: „Instant“ entwickelt sich zur neuen Basisanforderung. Insbesondere die kontobasierte Zahlungsmethode Pay by Bank, deren Grundlage Instant Account-to-Account (A2A) Payments bilden, gewinnt dank der IPR an Bedeutung. Manfred Schulz, Head of Merchant Solutions bei Brite Payments, erklärt:
„Früher war eine Banküberweisung oft mit einer Wartezeit von ein bis zwei Werktagen verbunden. Dank der Instant Payments Regulation werden Pay-by-Bank-Zahlungen nun innerhalb von Sekunden abgewickelt – und das rund um die Uhr, auch am Wochenende.“
Dieser Wandel nutzt allen: Unternehmen erhalten sofortige Zahlungssicherheit, können Waren schneller versenden und ihren Cashflow optimieren. Verbraucher profitieren von einem schnelleren und transparenteren Kaufprozess. Initiativen wie Wero sorgen zudem für mediale Aufmerksamkeit und machen Pay by Bank zu einer echten Alternative zu Kreditkarten und Wallets.
Lena Hackelöer, CEO und Gründerin von Brite, ergänzt, dass 2026 das Jahr ist, in dem Händler Zahlungen als Ökosystem begreifen:
„Echtzeitüberweisungen werden zum Standard, aber sie werden Karten oder Wallets nicht ersetzen. Stattdessen existieren sie nebeneinander und geben Händlern neue Werkzeuge an die Hand, um Kosten zu senken und ihre Liquidität zu verbessern.“
2. eIDAS 2.0: Digitale Identität trifft auf Open Banking
eIDAS 2.0 reguliert den Zahlungsverkehr zwar nicht unmittelbar, hat jedoch weitreichende Auswirkungen auf den europäischen E-Commerce. Im Zusammenspiel mit Open Banking ermöglicht die bis 2026 etablierte Standardisierung digitaler Identitäten neue Marktstandards. Ein zentrales Anwendungsbeispiel ist die Integration verifizierter Alters- oder Adressdaten direkt in den Checkout-Prozess – ohne manuelle Eingaben oder Medienbrüche.
Die Grundlage bildet das European Digital Identity Wallet (EUDIW). Bis November 2026 müssen alle EU-Mitgliedstaaten dieses sichere und staatlich unterstützte Identitäts-Wallet bereitstellen. Verbraucher verfügen damit über ein zentrales Tool zur Speicherung verifizierter Identitätsdaten, während Händler von beschleunigtem Onboarding und sichereren Zahlungsflüssen profitieren.
Die Kombination aus EUDIW und Instant Payments ermöglicht einen sekundenschnellen und hochsicheren Checkout. Durch die automatisierte Übernahme verifizierter Identitätsdaten – wie IBAN oder Altersbestätigung – können Zahlungsfelder fehlerfrei vorausgefüllt werden. Dies reduziert Reibungsverluste und senkt das Betrugsrisiko durch verifizierte Daten. eIDAS 2.0 fungiert dabei als entscheidende Identitätsebene, die Verifizierung und Zahlungsabwicklung nahtlos verbindet.
3. Wachstum von Pay by Bank über alle demografischen Segmente
Pay by Bank hat sich von einer spezialisierten Lösung zu einem europaweiten Standard entwickelt. Dieses Wachstum wird maßgeblich durch zwei Faktoren vorangetrieben: die regulatorischen Impulse der Instant Payments Regulation (IPR) sowie das Bestreben von Händlern, ihre Kostenstrukturen zu optimieren.
Ein entscheidender operativer Vorteil gegenüber kartenbasierten Zahlungsmethoden liegt im unmittelbaren Settlement: Die Gutschrift der Transaktionen erfolgt in Echtzeit direkt auf dem Händlerkonto. Dies verbessert die Liquidität und reduziert das mit schwebenden Zahlungen verbundene Risiko
Die Daten unseren Online Payment Trends Report 2025 untermauern die hohe Marktakzeptanz und das Potenzial von Pay by Bank für die Kundenbindung:
- Hohe Retention-Rate: 75 % der Nutzer, die bereits Zahlungen via Pay by Bank getätigt haben, planen eine erneute Verwendung.
- Zentrale Akzeptanztreiber: Präferenz für Pay by Bank basiert auf der Gebührenfreiheit (52,9 %), dem sicheren Login mit Bankdaten (46,5 %) sowie schnellen Rückerstattungen (29,2 %).
Bemerkenswert ist die demografische Verteilung der Nutzerloyalität: Entgegen der Annahme, dass digitale Innovationen primär jüngere Zielgruppen ansprechen, weist die Altersgruppe 50+ mit 79 % die höchste Wiederverwendungsrate auf. Dies belegt, dass die Reduzierung von Barrieren – insbesondere der Verzicht auf zusätzliche App-Downloads oder Registrierungen – ein entscheidender Faktor für die breite Marktdurchdringung über alle Altersklassen hinweg ist.
Etablierung von Instant Refunds duch Open Banking
Mit der Verbreitung von Zahlungen in Echtzeit erwarten Verbraucher dieselbe Geschwindigkeit bei Rückerstattungen. Open Banking ermöglichen es Händlern, die bisherigen mehrtägigen Transaktionszyklen zu eliminieren und Rückerstattungen in Echtzeit zu realisieren.
Innovative Ansätze gehen dabei über die reine Rückabwicklung der ursprünglichen Transaktion hinaus: Lösungen wie Brite Instant Payouts ermöglichen eine Entkopplung vom ursprünglichen Zahlungsweg. Händler können Rückerstattungen von Konto zu Konto (Account-to-Account, A2A) abwickeln, selbst wenn die Initialzahlung über Kartennetzwerke oder Wallets erfolgte. Diese Interoperabilität optimiert nicht nur die operativen Abläufe, sondern steigert die Servicequalität erheblich.
Die Dringlichkeit dieser Entwicklung wird durch aktuelle Marktdaten untermauert: Laut unserem Online Payment Trends Report definieren bereits 43,6 % der deutschen Verbraucher ein Zeitfenster von maximal 60 Sekunden als Erwartungshaltung für den Erhalt von Rückerstattungen. Damit entwickeln sich Instant Refunds von einem Differenzierungsmerkmal zu einer kritischen Anforderung im E-Commerce.
Von Open Banking zu Open Finance
Ein maßgeblicher Trend für das Jahr 2026 ist der Übergang von Open Banking zu Open Finance. Während die bisherige Entwicklung primär auf den Zugriff von Kontodaten (AIS) fokussiert war, umfasst Open Finance künftig das gesamte Finanzerlebnis eines Nutzers – einschließlich Hypotheken, Versicherungen und Wertpapierdepots.
Die strategische Relevanz dieser Entwicklung:
- Konsolidierte Datenbasis: Finanzplattformen erhalten eine ganzheitliche Sicht auf die finanzielle Gesamtsituation der Nutzer. Dies ermöglicht Analysen des Wechselspiels zwischen Verbindlichkeiten, liquiden Mitteln und langfristigen Kapitalanlagen.
- Datengestützte Optimierungspotenziale: Durch die Aggregation von Finanzdaten lassen sich Optimierungspotenziale, wie automatisierte Umschuldungsszenarien basierend auf vorhandenen liquiden Mitteln, proaktiv identifizieren.
Für Unternehmen fungiert Open Finance als technologischer Katalysator für eine neue Generation intelligenter, ergebnisorientierter Finanzprodukte. Es ermöglicht den Übergang von rein informativen Dashboards hin zu aktiven Steuerungstools, die den Verbrauchern einen messbaren Mehrwert bei der Vermögensverwaltung bieten.
6. Branchenübergreifende Wertschöpfung durch diversifizierte Anwendungsfälle
Durch seine Vielseitigkeit fungiert Open Banking als ein branchenübergreifender Katalysator für operative Effizienz und demonstriert sein Potenzial auch über den klassischen E-Commerce hinaus.
Reibungslose Spenden
Durch den Einsatz von Open Banking (Account Information Services, kurz: AIS) können Hilfsorganisationen Lastschriftmandate automatisiert und medienbruchfrei verifizieren. Die schwedische Plattform Octany verzeichneten durch diese Prozessoptimierung eine Steigerung der Erfolgsquote bei Neuanmeldungen um 24 % innerhalb eines Monats.
Smarter Währungstausch für Reisen
Strategische Kooperationen wie die zwischen Brite und FOREX optimieren den Online-Erwerb von Fremdwährungen. Durch den Einsatz von Pay by Bank entfällt die manuelle Erfassung von Kartendaten, was die Transaktionsgeschwindigkeit erhöht und durch die direkte Bankauthentifizierung maximale Sicherheit garantiert.
Effiziente Abrechnung für E-Mobilität
Anbieter wie Monta und Northe nutzen Instant A2A Payments, um die Abrechnungsprozesse an Ladestationen zu vereinfachen. Dies reduziert die Transaktionskomplexität und ermöglicht eine direkte Abrechnung mit Arbeitgebern oder Energieversorgern.
Fazit: Open Banking als etablierter Standard
Im Jahr 2026 ist Open Banking der Pilotphase entwachsen und hat sich als integrale Infrastruktur im Finanzökosystem etabliert. Ein entscheidender Vorteil ergibt sich künftig für die Unternehmen, die Open Banking nicht länger als regulatorische Compliance-Anforderung, sondern als strategisches Instrument zur Prozessoptimierung begreifen.
Die technologische Synergie aus digitaler Identität (eIDAS 2.0), Instant Payments und Open-Banking-Schnittstellen schafft ein leistungsfähiges Ökosystem, in dem Verifizierungs- und Zahlungsdaten nahtlos ineinandergreifen. Open Banking fungiert somit nicht mehr als isolierte Innovation, sondern als infrastrukturelle Basis für effiziente Transaktionen und digitale Prozesse.
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