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Kontoinformationsdienste (AIS) im Open Banking: Definition, Vorteile & Anwendungsbereiche

Kontoinformationsdienste (Account Information Services, kurz AIS) gehören zu den bekanntesten Anwendungsfällen des Open Bankings. Sie ermöglichen Unternehmen, Finanzdaten in Echtzeit zu analysieren, Identitäten sicher zu verifizieren und das digitale Kundenerlebnis sowohl beim Bezahlprozess als auch bei der Kundenneuanmeldung zu automatisieren.

Das wichtigste in Kürze

  • Definition: Kontoinformationsdienste (AIS) sind regulierte Finanzdienste, die mit expliziter Zustimmung des Nutzers auf Bankkontodaten zugreifen, um Finanzinformationen strukturiert und in Echtzeit bereitzustellen.
  • Sicherheit: AIS-Anbieter haben ausschließlich Lesezugriff (Read-Only) und können weder Transaktionen ausführen noch Gelder bewegen.
  • Regulatorischer Rahmen: Die rechtliche Basis bilden die PSD2 bzw. die kommende PSD3, die PSR (Payment Services Regulation) sowie der EU-Rahmen FiDA (Financial Data Access).
  • Vorteile für Unternehmen: Nahtlose digitale Neukundenaufnahme, Bonitätsprüfung in Echtzeit, Abgleich von Konto- und Namensdaten zum wirksamen Schutz vor Ausfallrisiken.
  • Unterschied zu Zahlungsauslösediensten (Payment Initiation Services, kurz PIS): Während AIS Daten lesen, löst ein Zahlungsauslösedienst (PIS) Transaktionen aktiv aus.

Was ist ein Kontoinformationsdienst (AIS)?

Ein Kontoinformationsdienst (Account Information Service / AIS) ist ein regulierter Finanzdienst, der im Auftrag von Unternehmen und mit Zustimmung von Verbrauchern deren Finanzdaten von einem oder mehreren Bankkonten aggregiert, strukturiert und per API-Schnittstelle bereitstellt.

Als Account Information Service Provider (AISP) werden Unternehmen bezeichnet, die AIS-Dienste mit einer offiziellen Erlaubnis oder Registrierung der jeweiligen Finanzaufsicht (wie z. B. der BaFin in Deutschland oder der FI in Schweden) anbieten.

Ein zentrales Merkmal von AIS-Diensten ist deren reiner Lesezugriff (Read-Only).

  • Erlaubte Aktionen: Abruf und Strukturierung von Kontoständen, Inhaberdaten, Transaktionshistorien und Verwendungszwecken.
  • Nicht unterstützte Aktionen: Auslösen von Überweisungen, Erstellen von Daueraufträgen oder die Durchführung sonstiger Aktivgeschäfte.

Wie hängen AIS, Open Banking und die EU-Zahlungsrichtlinie (PSD2/PSD3) zusammen?

Die rechtliche Grundlage für AIS bildet die europäische Regulierung (PSD2, PSD3 & PSR): Sie verpflichtet Banken zur Öffnung ihrer Infrastruktur um standardisierte API-Schnittstellen für lizensierte Drittanbieter bereitzustellen.

  1. API-Öffnung als Basis für Open Banking: Die PSD2 verpflichtete Banken, offene Schnittstellen (APIs) für lizenzierte Drittanbieter (Third Party Providers, TPPs) bereitzustellen. Die Nachfolgeregelungen (PSD3 und PSR) standardisieren diese Schnittstellen weiter, um die Antwortzeiten der APIs zu verkürzen und Systemausfälle auf Bankenseite zu verhindern.
  2. Erweiterung durch FiDA: Mit FiDA (Financial Data Access) entwickelt die EU Open Banking konsequent zu Open Finance weiter. Während die PSD2 ausschließlich Transaktionsdaten von Girokonten regelt, erweitert FiDA den Anwendungsbereich auf das gesamte Finanzportfolio – darunter Kredite, Depots und Versicherungen – für umfassendere Bonitäts- und Risikoanalysen.

Was ist der Unterschied zwischen AIS und PIS?

Im Open Banking greifen zwei regulierte Hauptdienste ineinander: AIS (Account Information Services) übernimmt die Analyse und Verifizierung von Kontodaten, während PIS (Payment Initiation Services) die eigentliche Zahlung von Konto zu Konto ausführt. Durch diese Synergie können Händler Risikochecks, Kontoverifizierungen und die Kaufabwicklung in einer einzigen Kundeninteraktion bündeln.

Die wichtigsten Unterschiede im direkten Vergleich:

Wie sicher sind Kontoinformationsdienste?

Da Finanzdaten besonders schutzbedürftig sind, unterliegt die technische Anbindung von Kontoinformationsdiensten den höchsten regulatorischen und kryptografischen Standards der EU. Die Sicherheitsarchitektur ruht dabei auf drei zentralen Säulen:

  • Entkoppelte Nutzer-Authentifizierung (OAuth 2.0 & OpenID Connect): Sensible Online-Banking-Zugangsdaten verbleiben ausschließlich im geschützten System der Bank. Der Datenabruf erfolgt über ein Token-basiertes Redirect-Verfahren, sodass Drittanbieter keine Kenntnis zu den Anmeldedaten des Verbrauchers erlangen.
  • Behördliche Server-Legitimierung (eIDAS-Zertifikate via QWACs & QSEALs): Bei jedem API-Aufruf müssen sich AISPs gegenüber den Banken ausweisen. Qualifizierte Zertifikate für Website-Authentifizierung (QWACs) sichern die verschlüsselte Transportleitung, während qualifizierte elektronische Siegel (QSEALs) die Unverfälschtheit der übertragenen Daten sicherstellt.
  • Zwei-Faktor-Freigabe (Starke Kundenauthentifizierung, kurz SCA): Gemäß den technischen Regulierungsstandards (RTS) erfordert die Ersteinrichtung sowie jede spätere Erneuerung des Datenzugriffs die explizite Freigabe durch den Verbraucher über zwei unabhängige Faktoren (z. B. Biometrie via Face-ID/Fingerabdruck oder TAN-Generierung in der Banking-App).

Wie Unternehmen von AIS profitieren

Der Einsatz von Kontoinformationsdiensten übersetzt unstrukturierte Bankdaten in sekundenschnelle, automatisierte Geschäftsentscheidungen. Für Unternehmen ergeben sich daraus vier zentrale Wettbewerbsvorteile:

Automatische Identitätsprüfung (Verification of Payee / VoP)

Im Zuge der EU-Verordnung für Echtzeitüberweisungen müssen IBAN und Kontoinhaber fehlerfrei übereinstimmen. AIS gleicht Stammdaten direkt mit der Hausbank des Verbrauchers ab – das schützt Händler vor Identitätsbetrug, Tippfehlern und teuren Rücklastschriften.

Digitale Neukundenaufnahme (Automatisierte Verifizierung)

Statt Endkunden beim Registrierungsprozess zum manuellen Upload von Ausweisen oder zu langwierigen Cent-Überweisungen zu zwingen, verifiziert AIS Name und Bankverbindung in Echtzeit. Das verkürzt den Registrierungsvorgang von Tagen auf Sekunden.

Echtzeit-Bonitätsprüfung (Smart Risk Scoring & BNPL)

Für Händler, die Kauf auf Rechnung oder Ratenzahlung (Buy Now, Pay Later) anbieten, liefert AIS ein aktuelles Bild der Liquidität des Verbrauchers. Statt sich nur auf veraltete Auskunftei-Daten zu verlassen, sichern Echtzeit-Finanzdaten die Entscheidung ab – für höhere Annahmequoten bei minimalem Ausfallrisiko.

Automatisierter Zahlungsabgleich (Accounting & Reconciliation)

Durch den strukturierten Abruf von Transaktionsdaten lassen sich eingehende Geldeingänge ohne manuelle Kontoauszugs-Exporte direkt mit offenen Bestellungen im ERP- oder Shop-System matchen.

Integrierte Open-Banking-Lösungen: Wie Brite AIS und PIS vereint

Als lizenzierter Anbieter vereint Brite Kontoinformationsdienste (AISP) und Zahlungsauslösedienste (PISP) in einer einzigen API-Architektur (Single API Integration). Durch das Zusammenspiel von AIS-Datenanalyse und PIS-Echtzeitüberweisungen optimieren Sie Ihre Zahlungsabwicklung auf mehreren Ebenen:

  • Instant Payouts mit Kontovalidierung: Bevor eine Auszahlung an Ihre Kunden veranlasst wird, prüft der integrierte AIS-Dienst automatisch, ob das Zielkonto aktiv ist und der Name des Empfängers exakt mit der IBAN übereinstimmt. Das eliminiert fehlerhafte Auszahlungen, verhindert Rückläufer und erfüllt Vorgaben zur Geldwäscheprävention.
  • Nahtlose Identifikation und Zahlung: Durch die Kombination von AIS und PIS im Checkout durchlaufen Ihre Kunden Identifikation und Bezahlung in einem einzigen, unterbrechungsfreien Schritt.
  • Smart Authentication: Verkürzung des Bezahlprozesses für wiederkehrende Kunden durch die automatische Wiedererkennung der Bankverbindung und biometrische Freigabe.

 

Der entscheidende Vorteil für Sie: Sie benötigen keine getrennten Verträge für Daten- und Zahlungsanbieter. Brite liefert Datenanalyse (AIS) und Instant Payments (PIS) aus einer Hand.

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